Aufgaben der Haut – ein erstaunliches Organ

Dass unsere Haut eine Bekleidungsfunktion hat, ist uns im Laufe der Evolutionsgeschichte wohl ein wenig entfallen. Der Begriff „Adamskostüm“ weist uns noch darauf hin. Wären wir nicht durch die verschiedenen Hautschichten bekleidet, würden wir aussehen wie eine von Gunter von Hagens Plastinationen. Ein schauderhafter Gedanke – und zudem für den menschlichen und tierischen Organismus nicht überlebbar! Adam und Eva verdanken wir es der Bibel zu Folge nach, dass wir diesen Zustand heute als unbekleidet empfinden. Zudem sind wir zivilisierten Menschen nicht mehr so abgehärtet und behaart, wie es unsere Vorfahren waren – wir frieren leicht und brauchen eine zusätzliche Schutzschicht in Form von Textilien.

Natürliche Barrierefunktion

Unsere Haut hat eine natürliche Barriere- und Schutzfunktion. Zugleich ist sie in der Lage, Stoffe durch die Poren aufzunehmen. Sie hindert durch einen Säureschutzmantel Bakterien und Keime, Schmutz und Schadstoffe am Eindringen in den Organismus. Ist die Haut im pH-Wert allerdings nicht optimal eingestellt oder verletzt, wird diese Barrierefunktion ausgehebelt. Im Alter ist die Haut anfälliger, weil sie trockener und rissiger wird. Wichtige Aminosäuren und Vitamine stehen nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. Der Organismus muss sich aus anderen Quellen bedienen, der Haut entgeht dadurch die Versorgung mit dem Notwendigen. Schon deswegen sind Anti-Aging-Maßnahmen von innen und altersgerechte Kosmetik wichtig. Die Tatsache, dass die Haut aufnahmefähig ist, machen wir uns bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen zu Nutze. Insbesondere Hauterkrankungen kann man deswegen gut behandeln.

Die Haut reguliert die Körpertemperatur

Unsere Haut schützt uns vor Hitze und Strahlung – aber wenn wir ihr zu viel von beiden zumuten, nimmt sie Schaden. Dank der verschiedenen Hautschichten sind Organe, Muskeln und Gefäße geschützt vor Reibung oder Druck, Chemikalien oder Mikroorganismen. Hitze und Kälte werden sinnvoll ausgeglichen. Die Haut sorgt dafür, dass Verdunstungskühle entsteht und der Verlust von Wasser oder Wärme nicht zu groß wird und wirkt so regulierend auf die Körpertemperatur. Pro Tag kann die Haut bis zu 10 Litern Schweiß absondern, um die Körperoberfläche zu kühlen. Ebenfalls zu den Schutzfunktionen gehört das Braunwerden bei Sonneneinstrahlung. Ohne diese Funktion würde die Haut sehr schnell verbrennen, Hautkrebs entstünde. Das faszinierende Organ, das wir Haut nennen, ist das einzige, das von außen komplett sichtbar ist. Ohne eine intakte, funktionierende Haut können wir nicht überleben. Insgesamt sind es etwa zwei Quadratmeter Hautfläche, die uns umhüllen. Je nach Körpergröße, Gewicht und Alter wiegt die Haut, würde man sie uns abziehen und wiegen, zwischen 3,5 und 10 Kilogramm. Gesunde Haut sollte einen pH-Wert von 5,7 haben. Ob wir uns in unserer Haut wohlfühlen, ist von zahlreichen Umständen abhängig, die nicht nur die Hautoberfläche betreffen. So dünnhäutig, wie wir uns manchmal fühlen, sind wir nicht wirklich.

Unser größtes Sinnesorgan

Zahlreiche Empfindungen werden über die Haut wahrgenommen. Sie ist das größte zurVerfügung stehende Sinnesorgan des Menschen: Temperaturreize, Schmerz, Tastergebnisse oder liebevolle Berührung werden als Informationen durch verschiedene Rezeptoren aufgenommen, ausgewertet und beantwortet. Über die Haut sind wir in der Lage unsere Empfindungen nach außen hin sichtbar machen. Wir erröten, werden blass, uns stehen die Haare zu Berge.

Bestimmte Erkrankungen oder Verletzungen werden durch Verfärbungen der Haut erst sichtbar. Wir sehen bei Übelkeit grau oder grünlich aus, bei Schock schneeweiß. Bei Leberstörungen und Gelbsucht verfärbt sich die Haut gelblich, bei Stoßverletzungen bläulich. Die Haut kann durch Lockstoffe, so genannte Pheromone, Sexualreize aussenden und ist eine erogene Zone. Die Fähigkeit der Haut zur Selbstheilung ist phänomenal. Unsere Haut – ein erstaunliches Organ.